Der Bauerngarten
Der Bauerngarten ist in jüngster Zeit ins Gerede gekommen. Angeblich ist er erst eine Erfindung des frühen 20. Jahrhunderts, eine Idylle, die in eine angeblich bessere Vergangenheit rückprojiziert wurde. Nach dieser Meinung entstand der erste Bauerngarten 1913 im botanischen Garten in Hamburg. Er war ein ‚klassischer’ Bauerngarten mit Wegekreuz und Einfassungen aus Buchs. Alle später entstandenen Gärten gingen letztlich auf den Hamburger Bauerngarten zurück. |
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Ich bin skeptisch was diese Theorie angeht. Bauerngärten gibt es natürlich seitdem Bauern Gemüse und Gewürze in Hausnähe anbauen. Sicherlich sahen die Bauerngärten in verschiedenen Regionen auch verschieden aus, genauso wie ein Allgäuer Bauernhof auch anders aussieht als ein Bauernhof in Holstein. Aber es gibt doch Eigenheiten, die allen Bauerngärten gemeinsam sind. Da ist zunächst einmal die Notwendigkeit den Garten von seiner Umgebung abzugrenzen. Früher liefen auf den Bauernhöfen viele Tiere frei umher. Es ist unmöglich Gemüse zu ziehen, wenn Ziege und Hühner den Gemüsebeeten jederzeit einen Besuch abstatten können. Eine Einfriedung gehört also notwendig zu jedem Bauerngarten dazu. |
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Die Aufteilung des Gartens mit Wegekreuz und Wasserstelle auf der Kreuzung folgt historischen Vorbildern. Eine Möglichkeit Wasser zu fördern war unbedingt nötig zu Zeiten als man das Wasser noch nicht mit dem Gartenschlauch aus dem Wasserhahn zapfen konnte. Also gehört auch der Brunnen in den Bauerngarten, und er steht zweckmäßigerweise in der Mitte des Gartens. |
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Die Auswahl der Pflanzen richtete sich hauptsächlich nach Gesichtspunkten der Nützlichkeit. Das konnte regional ganz unterschiedlich aussehen. In katholischen Gebieten des Allgäus gehörten die Kräuter für die ‚Zange’ an Mariae Himmelfahrt unbedingt in einen Bauerngarten, in den evangelischen Dörfern im Allgäu dagegen nicht. Viele Gemüsearten wurden früher nur lokal genutzt. Im Breisgau waren Tomaten bekannt und verbreitet, bei uns im Unterallgäu wurden sie bis in die 1960iger Jahre eher als Zierpflanzen betrachtet (meine Mutter hat sie noch mit Zucker gegessen, es war für sie eine Art Obst). Gemeinsam war allen Pflanzen, dass sie robust waren und mit geringem Aufwand gehalten werden konnten. Die Landwirtschaft war früher arbeitsintensiv, da blieb nicht viel Zeit für den Garten. |
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Die schönsten Bauerngärten der Welt findet man im Emmental. Ihre Entstehung ist auch gut belegt, und sie reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im 16. Jahrhundert wurde dort die italienische Gartenmode der Renaissance mit ihren strengen Beet- und Wegeeinteilungen übernommen. Das typische Wegekreuz ist dort nicht immer zu finden. Sehr oft sind die Gärten in eine Vielzahl von Beeten aufgeteilt, nicht nur in vier Hauptfelder. Aber immer ist die Anlage symmetrisch und auf das Haus ausgerichtet. Das ist nur logisch, denn im Garten wächst das, was im Haus gebraucht wird. Gefördert wurde die Emmentaler Bauerngartenkultur vor allem auch durch die ‚Hausväter-Literatur’ des 17. und 18. Jahrhunderts. Das waren unterhaltsame Geschichtenbücher in denen die Leser gleichzeitig lernen konnten wie man Haus, Hof und Garten richtig bewirtschaftete. Wenn Sie einmal in den Kanton Bern kommen, dann besuchen Sie unbedingt das Schweizerische Freilichmuseum auf dem Ballenberg. Es liegt oberhalb von Brienz und beherbergt Bauernhöfe aus der gesamten Eidgenossenschaft. Sie finden dort auch wunderschöne Bauerngärten. Wenn Sie Allgäuer Bauerngärten sehen möchten, dann besuchen Sie das Bauernhofmuseum Illerbeuren in der Nähe von Memmingen. |
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Wenn Sie sich selbst einen Bauerngarten anlegen möchten, dann werden Sie sich vermutlich an den alten Vorbildern orientieren und ihren ganz eigenen Garten daraus machen. Im Onlineshop haben wir typische Bauerngartenpflanzen mit dem Begriff ‚Bauerngartenpflanze’ markiert. Es sind allesamt robuste und pflegeleichte Pflanzen. Die Blumen darunter haben meistens leuchtende, ‚ländliche’ Farben. Nicht alle davon wurden früher in Bauerngärten verwendet, es sind auch Pflanzen darunter, die einfach die Eigenheiten der Bauerngartenpflanzen haben aber früher noch nicht erhältlich waren. Sie passen daher gut zu den alten Pflanzen dazu. Auf unserem neuen Gärtnereigrundstück werden wir in den nächsten Monaten auch einen Bauerngarten anlegen. Es wird überwiegend ein Gemüsegarten für den eigenen Bedarf werden, aber auch einige Blumen und Kräuter finden dort ihre Heimat. Den Baufortschritt dokumentieren wird dann hier im Internet (link). |
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